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Horizon Europe: Chancen und Anforderungen

Horizon Europe ist das Rahmenprogramm für Forschung und Innovation der Europäischen Union und mit einem Budget von rund 95,5 Milliarden Euro das größte F&I-Förderinstrument weltweit. Es läuft von 2021 bis 2027 und folgt auf Horizon 2020.

Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie das Programm strukturiert ist, welche Säulen welche Antragsteller adressieren und worauf eine erfolgreiche Bewerbung tatsächlich abzielt.

Wenn Sie zuerst die Grundlagen zu EU-Fördermitteln nachlesen möchten, finden Sie diese im Ratgeber EU-Fördermittel für Unternehmen: Grundlagen, Struktur und Arten.

Was Horizon Europe ist

Horizon Europe ist das neunte Forschungs- und Innovations-Rahmenprogramm der EU. Es bündelt die zentralen F&I-Förderlinien der Union unter einem Dach und finanziert Projekte mit klar erkennbarem europäischen Mehrwert: Grundlagenforschung, industrielle Anwendungsforschung, marktnahe Innovationsvorhaben sowie strategische Partnerschaften zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand.[1]

Das Programm hat drei zentrale Eigenschaften:

  • Mehrjähriger Förderzyklus mit thematischen Arbeitsprogrammen, die alle zwei Jahre angepasst werden.
  • Konsortialer Charakter in den meisten Förderlinien, mit mindestens drei Partnern aus drei Mitgliedstaaten.
  • Wettbewerb auf EU-Ebene mit unabhängiger Gutachterbewertung nach den drei Säulen Excellence, Impact und Implementation.

Wie das Antragsverfahren im Detail abläuft, lesen Sie im Ratgeber EU-Förderung beantragen: Ablauf in Phasen.

Budget und Laufzeit von Horizon Europe

Das Gesamtbudget von Horizon Europe beträgt rund 95,5 Milliarden Euro für die Laufzeit 2021 bis 2027.[1] Damit ist Horizon Europe das mit Abstand größte transnationale Forschungsförderprogramm weltweit. Gegenüber dem Vorgängerprogramm Horizon 2020 (rund 77 Milliarden Euro) entspricht das einer deutlichen Aufstockung, getrieben von den EU-Prioritäten Klima, Digitalisierung und industrielle Souveränität.

Das Budget verteilt sich auf die drei Hauptsäulen sowie ergänzende Querschnittsbereiche. Der größte Anteil entfällt auf Pillar II (Global Challenges and European Industrial Competitiveness), der die thematischen Cluster und damit die meisten Verbundprojekte mit Industriebeteiligung enthält.

Die Drei-Säulen-Struktur von Horizon Europe

Horizon Europe folgt einer klaren Drei-Säulen-Logik, ergänzt um einen Querschnittsbereich „Widening Participation and Strengthening the European Research Area“. Die Säulen unterscheiden sich grundlegend in Zielgruppe, Förderlogik und typischem Konsortialaufbau.

01

Pillar I

Excellent Science: Grundlagenforschung und Forschermobilität.
02

Pillar II

Global Challenges and European Industrial Competitiveness: thematische Cluster, Verbundforschung.
03

Pillar III

Innovative Europe: marktnahe Innovation, EIC, EIT.

Pillar I: Excellent Science

Diese Säule fördert wissenschaftliche Spitzenforschung ohne thematische Vorgaben. Sie richtet sich primär an Universitäten, Forschungsinstitute und einzelne exzellente Forschende. Drei Förderlinien prägen Pillar I:

  • European Research Council (ERC): Einzelförderung für visionäre Grundlagenforschung. Antragsteller sind Forschende selbst (mit ihrer Trägerinstitution), nicht Unternehmen. Bewertung erfolgt rein nach wissenschaftlicher Exzellenz.
  • Marie Skłodowska-Curie Actions (MSCA): Mobilitäts- und Ausbildungsförderung für Forschende auf allen Karrierestufen, inklusive Doktorandenausbildung und intersektoraler Austausch.
  • Research Infrastructures: Aufbau und Betrieb großer europäischer Forschungsinfrastrukturen, von Teleskopen bis zu Bioinformatik-Datenbanken.

Für Unternehmen ist Pillar I nur indirekt relevant, etwa als Gastinstitution einer MSCA-Stelle oder über Joint-Research-Vereinbarungen mit ERC-Empfängern.

Pillar II: Global Challenges and European Industrial Competitiveness

Das Herzstück von Horizon Europe für Unternehmen. Pillar II ist in sechs thematische Cluster organisiert, die jeweils mehrere Topics und Calls umfassen:

  • Cluster 1 – Health: Gesundheit, Pandemievorsorge, alternde Gesellschaft, digitale Gesundheitslösungen.

  • Cluster 2 – Culture, Creativity and Inclusive Society: Kulturerbe, Demokratie, soziale Innovation.

  • Cluster 3 – Civil Security for Society: Cybersicherheit, Katastrophenschutz, Grenzsicherheit.

  • Cluster 4 – Digital, Industry and Space: KI, fortgeschrittene Fertigung, Materialien, Weltraumtechnologie.

  • Cluster 5 – Climate, Energy and Mobility: Dekarbonisierung, erneuerbare Energien, saubere Mobilität, Wasserstoff.

  • Cluster 6 – Food, Bioeconomy, Natural Resources, Agriculture and Environment: nachhaltige Landwirtschaft, Kreislaufwirtschaft, Biodiversität.

In den Clustern werden überwiegend Verbundprojekte mit mindestens drei Partnern aus drei Mitgliedstaaten gefördert. Förderquoten liegen typischerweise bei 70 Prozent für gewinnorientierte Unternehmen bei Innovation Actions und 100 Prozent bei Research and Innovation Actions. Ergänzend ist die Gemeinsame Forschungsstelle (Joint Research Centre, JRC) der Kommission unter Pillar II angesiedelt und liefert wissenschaftliche Politikberatung.

Pillar III: Innovative Europe

Pillar III adressiert die marktnahe Innovation und richtet sich gezielt an KMU, Start-ups und industrielle Innovatoren. Drei Komponenten bilden den Kern:

  • European Innovation Council (EIC): Förderlinie für disruptive, marktnahe Innovationen. Wichtigste Instrumente: EIC Pathfinder (frühe Forschung), EIC Transition (TRL-Sprung), EIC Accelerator (Einzelantrag für KMU mit kombinierter Zuschuss- und Eigenkapitalfinanzierung).
  • European Innovation Ecosystems (EIE): Stärkung regionaler und nationaler Innovationsökosysteme über transnationale Kooperationen.
  • European Institute of Innovation and Technology (EIT): fördert Wissens- und Innovationsgemeinschaften (KICs) entlang thematischer Schwerpunkte wie EIT Digital, EIT Climate-KIC oder EIT Manufacturing.

Für mittelständische Unternehmen aus Deutschland ist insbesondere der EIC Accelerator relevant, da er als einer der wenigen EU-Calls Einzelanträge zulässt.

Dr. Saša Peter Jacob
Horizon Europe entscheidet sich nicht an der Topic-Wahl, sondern an der ehrlichen Frage: Trägt unser Vorhaben die hohe Innovationsambition, die ein EU-Gutachter erwartet? Diese Einordnung machen wir mit Ihnen, bevor Sie Antragsarbeit investieren.
Dr. Saša Peter Jacob Senior Förderberater · Country Manager Germany

Missionen unter Horizon Europe

Eine zentrale Neuerung gegenüber Horizon 2020 sind die EU-Missionen unter Pillar II. Sie bündeln Forschung, Innovation und politische Maßnahmen, um konkrete gesellschaftliche Ziele mit klaren Kennzahlen und Zeithorizonten zu erreichen.[2] Fünf Missionen sind aktuell aktiv:

Mission Ziel
Cancer Verbesserung der Lebensqualität von mehr als drei Millionen Menschen mit Krebs bis 2030
Adaptation to Climate Change Unterstützung von mindestens 150 europäischen Regionen bei der Anpassung an Klimafolgen
Restore our Ocean and Waters Schutz und Wiederherstellung von Meeren, Küstengewässern und Binnengewässern bis 2030
100 Climate-Neutral and Smart Cities 100 klimaneutrale Städte bis 2030 als Vorreiter für die gesamte EU bis 2050
Soil Deal for Europe 100 Living Labs und Leuchttürme für gesunde Böden bis 2030

Missionen funktionieren nicht wie klassische Cluster. Sie definieren messbare Outcome-Ziele und ziehen verschiedene Förderlinien, nationale Programme und private Investitionen zu deren Erreichung heran. Für Antragsteller bedeutet das: Vorhaben müssen den Beitrag zur Mission konkret quantifizieren und in einen messbaren Wirkungszusammenhang stellen.

Partnerschaften: Strukturierte Zusammenarbeit mit der Industrie

Horizon Europe nutzt Partnerschaften als langfristiges Instrument, um öffentliche Mittel mit privaten Investitionen und Aktivitäten der Mitgliedstaaten zu koppeln. Drei Typen sind dabei zentral:

  • Co-programmed Partnerships: Vereinbarungen zwischen Kommission und Industriepartnern; geben thematische Richtung vor, finanziert über regulär ausgeschriebene Calls in den Clustern. Beispiele: „Made in Europe“ (fortgeschrittene Fertigung), „Clean Aviation“, „Built4People“.
  • Co-funded Partnerships: gemeinsame Förderprogramme mit Mitgliedstaaten oder Drittländern. Beispiel: Eurostars, das KMU-Förderprogramm der EUREKA-Initiative.
  • Institutionalised Partnerships: eigene Rechtsstrukturen mit dauerhafter Finanzierung (Joint Undertakings). Beispiele: Clean Hydrogen, Key Digital Technologies (KDT), SESAR 3.

Für deutsche Unternehmen bedeuten Partnerschaften zwei Dinge: planbare Förderlinien über mehrere Jahre und klare strategische Themen, an denen Sie eigene Roadmaps ausrichten können. Eurostars als KMU-fokussierte Co-funded Partnership ist für viele mittelständische Erstantragsteller der realistische Einstieg in das EU-System. Mehr dazu im Ratgeber Eurostars: KMU-Förderung für FuE-Konsortien.

Was einen Antrag in Horizon Europe gewinnen lässt

Die Förderquoten und Verfahrensdetails sind in Horizon Europe weitgehend standardisiert. Den Unterschied zwischen bewilligten und abgelehnten Anträgen machen nicht die Formalien, sondern drei inhaltliche Faktoren:

  • Echte Passung zwischen Vorhaben und Topic. Ihr Antrag muss exakt das adressieren, was die Ausschreibung verlangt. Mangelnde Topic-Passung ist die häufigste Ablehnungsursache.
  • Hohe Innovationsambition mit nachvollziehbarem Pfad. Reine Weiterentwicklung bestehender Lösungen reicht nicht. Ihr Antrag muss zeigen, was wirklich neu ist, warum Europa diese Innovation braucht und wie der Pfad zum Markt aussieht.
  • Belastbare Konsortialarchitektur. Drei Partner aus drei Ländern sind die Mindestanforderung, kein Erfolgsrezept. Entscheidend sind komplementäre Kompetenzen, klare Rollenverteilung und ein Coordinator mit EU-Antragserfahrung.

Diese drei Faktoren entscheiden in der Praxis über Bewilligung oder Ablehnung. Sie sind auch der Grund, warum eine frühe Antragsplanung üblicherweise mehr Wert schafft als jede formale Optimierung am Ende. Wie Sie das passende Topic finden, beschreibt unser Ratgeber Calls und Topics in EU-Programmen.

Horizon Europe und nationale Förderung in Deutschland

Horizon Europe ist kein Ersatz für nationale Förderprogramme, sondern ein komplementäres Instrument für Vorhaben mit europäischem Anspruch. Für Unternehmen in Deutschland ergibt sich daraus typischerweise eine zweigleisige Förderstrategie:

  • Nationale Grundförderung über die Forschungszulage (steuerliche FuE-Förderung, rückwirkend für bis zu vier zurückliegende Wirtschaftsjahre beantragbar) und das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) für KMU-Vorhaben.
  • Selektive EU-Anträge in Horizon Europe für Leuchtturmvorhaben mit grenzüberschreitendem Mehrwert und konsortialer Tragfähigkeit.

Wichtig: Eine Doppelförderung derselben Kosten ist nicht zulässig. Die Förderlinien lassen sich aber sehr gut nebeneinander für unterschiedliche Vorhabensteile oder Wirtschaftsjahre kombinieren. Eine durchdachte Förderstrategie nutzt die Forschungszulage als planbare Grundlinie und reserviert EU-Anträge für Vorhaben, in denen das Konsortium und die europäische Dimension wirklich tragen.

Welche Arten von EU-Programmen es jenseits von Horizon Europe noch gibt (LIFE, Innovation Fund, IPCEI, Eurostars), zeigt der Ratgeber Arten von EU-Förderprogrammen.

Sie überlegen, ob Horizon Europe der richtige Weg für Ihr Vorhaben ist? INCOTEC Deutschland prüft Topic-Passung, Konsortialaufbau und Innovationsambition strukturiert, bevor Sie Antragsarbeit investieren.

Häufig gestellte Fragen zu Horizon Europe

Wie hoch ist das Budget von Horizon Europe?

Horizon Europe verfügt für die Laufzeit 2021 bis 2027 über rund 95,5 Milliarden Euro. Das Budget ist auf die drei Hauptsäulen sowie auf Querschnittsbereiche wie „Widening Participation“ verteilt. Den größten Anteil erhält Pillar II mit den sechs thematischen Clustern und den darin angesiedelten Partnerschaften und Missionen.

Was unterscheidet die drei Säulen von Horizon Europe?

Pillar I (Excellent Science) fördert Grundlagenforschung und Forschermobilität über ERC, Marie Skłodowska-Curie Actions und Forschungsinfrastrukturen. Pillar II (Global Challenges and European Industrial Competitiveness) bündelt thematische Verbundforschung in sechs Clustern und ist die wichtigste Säule für Unternehmen. Pillar III (Innovative Europe) adressiert marktnahe Innovation über EIC, European Innovation Ecosystems und EIT.

Wer kann sich für Horizon Europe bewerben?

Antragsberechtigt sind Unternehmen aller Größen, Forschungseinrichtungen, Hochschulen, öffentliche Stellen und gemeinnützige Organisationen aus den EU-Mitgliedstaaten und assoziierten Ländern. In den meisten Calls in Pillar II ist ein Konsortium mit mindestens drei Partnern aus drei Mitgliedstaaten Pflicht. Pillar I und der EIC Accelerator in Pillar III erlauben Einzelanträge.

Was sind die EU-Missionen in Horizon Europe?

Die fünf EU-Missionen bündeln Forschung, Innovation und politische Maßnahmen, um konkrete gesellschaftliche Ziele zu erreichen: Krebsforschung, Anpassung an den Klimawandel, Wiederherstellung von Meeren und Gewässern, 100 klimaneutrale Städte bis 2030 sowie der Soil Deal for Europe. Missionen definieren messbare Outcome-Ziele und nutzen verschiedene Förderlinien koordiniert.

Was sind EIC und ERC?

Der European Innovation Council (EIC) ist die zentrale Förderlinie für marktnahe, disruptive Innovation in Pillar III. Wichtigste Instrumente sind EIC Pathfinder, EIC Transition und EIC Accelerator (Einzelförderung für KMU). Der European Research Council (ERC) sitzt in Pillar I und fördert exzellente Grundlagenforschung an Universitäten und Forschungsinstituten. ERC adressiert Forschende, EIC adressiert innovationsstarke Unternehmen.

Quellen

  1. Europäische Kommission – Horizon Europe (Funding & Tenders): research-and-innovation.ec.europa.eu/horizon-europe
  2. Europäische Kommission – EU-Missionen unter Horizon Europe: research-and-innovation.ec.europa.eu/eu-missions