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Eurostars: KMU-Förderung für FuE-Konsortien

Eurostars ist das Förderprogramm für innovative KMU, die ihre Forschungs- und Entwicklungsprojekte (FuE) im internationalen Konsortium umsetzen wollen. Das Programm finanziert marktnahe Vorhaben, die binnen weniger Jahre nach Projektende in Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen münden.

Dieser Ratgeber zeigt, wer antragsberechtigt ist, welche Konsortialregeln gelten, wie die Co-Finanzierung dezentral pro Land funktioniert und worauf es im Antrag ankommt.

Wenn Sie zuerst eine Einordnung in die EU-Förderlandschaft suchen, lesen Sie unseren Ratgeber EU-Fördermittel für Unternehmen.

Was ist Eurostars?

Eurostars ist ein Förderprogramm für FuE-treibende KMU, das gemeinschaftlich von der EUREKA-Initiative und der Europäischen Kommission getragen wird. EUREKA ist ein zwischenstaatliches Netzwerk zur Stärkung der wettbewerbsorientierten FuE in Europa; Eurostars ist innerhalb von EUREKA der bekannteste Cluster für innovative kleine und mittlere Unternehmen.[1]

Die aktuelle Programmphase Eurostars-3 läuft im Rahmen von Horizon Europe (2021–2027) als kofinanzierte öffentlich-öffentliche Partnerschaft nach Art. 185 AEUV. Über 35 Mitgliedsländer beteiligen sich; Deutschland ist Vollmitglied. Anders als die meisten Calls in Horizon Europe ist Eurostars bottom-up angelegt: Sie reichen Ihre Projektidee ein, ohne dass ein Topic sie thematisch vorgibt.

Wofür Eurostars steht

Eurostars finanziert konkret:

  • Internationale FuE-Projekte mit Marktpotenzial
  • Konsortien mit mindestens einem KMU als Projektkoordinator
  • Marktnähe als Förderkriterium statt Grundlagenforschung
  • Verwertbare Ergebnisse: Produkte, Verfahren oder Services, die nach Projektabschluss in den Markt gehen

Welche EU-Förderprogramme sich für andere Vorhaben besser eignen, vergleicht der Ratgeber Arten von EU-Förderprogrammen.

Wer antragsberechtigt ist

Die Antragsberechtigung in Eurostars ist klar konsortial geregelt. Sie unterscheidet sich strukturell von rein nationalen Programmen wie dem ZIM.

Kernregeln des Konsortiums

  • Mindestens ein innovatives KMU muss Konsortialführer sein
  • Mindestens zwei Partner aus zwei verschiedenen EUREKA-Mitgliedsländern sind erforderlich
  • Der KMU-Anteil im Konsortium muss substanziell sein (in der Regel mindestens 50 Prozent von Aufwand oder Budget durch KMU)
  • Großunternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen können als zusätzliche Partner teilnehmen, je nach nationaler Förderlogik
  • Drittländer außerhalb von EUREKA können beteiligt sein, erhalten aber keine Eurostars-Förderung

Die genaue Definition eines KMU folgt der EU-Empfehlung 2003/361/EG (weniger als 250 Beschäftigte, Jahresumsatz bis 50 Mio. Euro oder Bilanzsumme bis 43 Mio. Euro). Wer als KMU gilt und wer nicht, sollten Sie vor Antragstellung sauber prüfen.

Was ein „innovatives KMU“ konkret bedeutet

EUREKA versteht unter einem innovativen KMU ein Unternehmen mit nennenswerter FuE-Tätigkeit. Operationalisiert wird das je nach nationaler Förderagentur unterschiedlich, üblich sind Kriterien wie:

  • FuE-Quote (Anteil der FuE-Aufwendungen am Umsatz)
  • Anteil hochqualifizierter FuE-Mitarbeitender
  • Schutzrechte und nachweisbare Innovationshistorie

Wenn unklar ist, ob Ihr Unternehmen die Schwelle erreicht, klärt eine kurze Vorabprüfung das schneller als die formelle Antragsstellung.

Welche Projekte gefördert werden

Eurostars ist auf marktnahe FuE ausgerichtet. Das unterscheidet das Programm deutlich von der Grundlagenforschung in Horizon Europe Pillar I oder von infrastrukturlastigen Demonstratoren im EU Innovation Fund.

01

Bottom-up

Keine vorgegebenen Themen, Sie definieren Sektor und Anwendung selbst.
02

Marktnah

Typischerweise TRL 6 und höher, kurz vor der Markteinführung.
03

Verwertung in 2 Jahren

Markteinführung nach Projektabschluss als Kriterium.
04

Konsortial

Mindestens 2 Partner aus 2 EUREKA-Ländern.

Typische Projektgrößen

Eurostars-Projekte sind erkennbar kleinteiliger als Pillar-II-Calls in Horizon Europe:

  • Konsortialgröße: zwei bis fünf Partner, im Schnitt drei

  • Projektlaufzeit: maximal 36 Monate, im Schnitt etwa 30 Monate

  • Gesamt-Projektbudget: im Mittel rund 1,4 Mio. Euro

  • Bottom-up-Themenwahl: Sektor, Technologie und Anwendung werden vom Konsortium definiert

Diese Kennzahlen sind Durchschnittswerte aus den EUREKA-Programmberichten; Ihr konkretes Vorhaben kann darunter oder darüber liegen.[1]

Was nicht gefördert wird

Eurostars finanziert keine reinen Marktforschungs- oder Vertriebsvorhaben, keine reine Grundlagenforschung und keine Aktivitäten ohne klare FuE-Komponente. Wenn Ihr Vorhaben überwiegend Investitionen oder Skalierung in bestehender Technologie betrifft, sind andere Förderwege oft passender.

Dr. Saša Peter Jacob
Eurostars wird im deutschen Mittelstand oft erst spät auf den Schirm genommen, dabei ist es genau für KMU mit einem konkreten internationalen Entwicklungsvorhaben einer der direktesten Wege in die EU-Förderlandschaft. Wir ordnen Ihr Vorhaben strukturell ein, bevor Sie Antragsarbeit investieren.
Dr. Saša Peter Jacob Senior Förderberater · Country Manager Germany

Wie Co-Finanzierung funktioniert

Die Besonderheit von Eurostars liegt im dezentralen Förderprinzip: Die EU stellt ergänzende Mittel bereit, die eigentliche Förderzahlung erhält jedes Konsortialmitglied von seiner nationalen Förderagentur. Höhe und Modalitäten der Förderung richten sich daher nach dem jeweiligen nationalen Recht.

Was das praktisch bedeutet

  • Jedes Konsortialmitglied stellt parallel einen nationalen Antrag bei seiner Förderagentur
  • Förderquoten variieren je Land und je Unternehmensgröße (KMU werden in der Regel höher gefördert als Großunternehmen)
  • Förderfähige Kosten orientieren sich an den jeweils nationalen Förderkriterien
  • Auszahlung erfolgt durch die nationale Stelle, nicht zentral durch die EU

Für deutsche Antragsteller ist die zuständige Stelle in der Regel der Projektträger DLR (DLR-PT) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Die konkrete Förderhöhe hängt von Unternehmensgröße, Art der Arbeiten (Industrielle Forschung vs. Experimentelle Entwicklung) und der nationalen Förderlinie ab. Eine pauschale Quote ist daher nicht seriös zu nennen und sollte vor Antragstellung individuell geklärt werden.[2]

Eurostars vs. rein nationale Förderung

Wenn Sie zwischen Eurostars und einer rein nationalen Förderlinie wie ZIM oder der Forschungszulage abwägen, hilft eine grobe Orientierung:

Kriterium Eurostars ZIM / Forschungszulage
Internationales Konsortium Pflicht (≥ 2 Länder) Optional bzw. nicht im Fokus
Themen-Bindung Bottom-up Bottom-up
Verwaltungsaufwand Höher (2-stufiger Antrag) Geringer
Förderhöhe Variiert je Land Bundesweit definiert
Marktorientierung Stark (Verwertung in 2 Jahren) Weniger eng

Für Vorhaben, die ohne internationalen Partner auskommen, ist die Forschungszulage oder ZIM in der Regel der schnellere Weg. Sobald ein internationaler Partner zwingend nötig oder strategisch sinnvoll ist, kommt Eurostars in Frage.

Antragsablauf in Eurostars

Eurostars folgt einem zweistufigen Antragsverfahren: erst die zentrale Einreichung bei EUREKA, dann der nationale Antrag bei jeder beteiligten Förderagentur. Das klingt aufwendig, ist aber gut planbar, wenn Sie früh starten.

01

Konsortium aufbauen

Partner aus mindestens zwei EUREKA-Ländern identifizieren, Rollen und Workpackages skizzieren, Vorvereinbarung schließen.
02

Konzept-Skizze prüfen lassen

Viele nationale Förderagenturen bieten Vorabberatung an, in Deutschland über DLR-PT; auch externe Beratung lohnt sich für die strategische Aufstellung.
03

Zentraler Eurostars-Antrag bei EUREKA

Konsortialantrag über das EUREKA-Antragsportal, fristgebunden zu den jährlichen Cut-offs.
04

Bewertung durch EUREKA-Expertenpanels

Bewertung nach festen Kriterien: Innovationsgrad, Marktpotenzial, Konsortialqualität, Verwertung.
05

Nationale Anträge

Nach positivem Eurostars-Votum reicht jedes Konsortialmitglied parallel den nationalen Antrag bei seiner Förderagentur ein.
06

Vertragsverhandlung und Kick-off

Nach nationaler Zusage starten Vertrag, Konsortialvertrag und Projektarbeit.

Cut-offs und Fristen

Eurostars hat in der Regel zwei Cut-offs pro Jahr. Die genauen Termine veröffentlicht EUREKA jährlich; bis zum jeweiligen Cut-off müssen Antrag und Konsortialaufstellung komplett sein.[1] Wer wartet, bis der Call offiziell veröffentlicht ist, hat erfahrungsgemäß zu wenig Zeit für eine belastbare Antragsschrift. Wir empfehlen, mit der Konsortialaufstellung mindestens vier bis sechs Monate vor dem geplanten Cut-off zu beginnen.

Bewertungskriterien: Worauf Eurostars achtet

Eurostars-Anträge werden durch ein internationales Expertenpanel bewertet. Die Bewertung folgt drei Hauptachsen, die zusammen genommen das Förder-Votum ergeben.

Die drei Bewertungsachsen

  • Qualität und Effizienz der Innovation: Technologischer Innovationsgrad, Risikoprofil, methodische Tragfähigkeit, klare FuE-Frage
  • Marktpotenzial und Wettbewerbsfähigkeit: Realistische Marktanalyse, Differenzierung gegenüber Wettbewerb, Time-to-Market, geplante Verwertung pro Konsortialmitglied
  • Qualität des Konsortiums und der Umsetzung: Komplementarität der Partner, Rollenklarheit, Arbeitsplan, Risikomanagement, Konsortialvertrag

Anders als in den Pillar-II-Calls von Horizon Europe wiegt in Eurostars das Marktpotenzial explizit gleich schwer wie die technische Innovation. Wer Verwertung nur abstrakt behauptet, verliert deutlich Punkte.

Häufige Schwächen in Eurostars-Anträgen

Do
Klar abgegrenzte FuE-Frage statt diffuser „wir entwickeln eine Plattform“
Quantifizierte Marktgröße mit Quellen statt qualitativer Behauptungen
Verwertung pro Konsortialmitglied einzeln dargestellt
Risikoplan mit konkreten Mitigationen statt Generikum
Konsortialvertrag-Entwurf bei Antragstellung bereits in Bearbeitung
Don't
Unklare Rollen und überlappende Workpackages
KMU-Anteil rechnerisch knapp, ohne klare Begründung
Bottom-up als Ausrede für fehlende Marktbegründung
Verwertung als generischer Absatz statt partnerspezifischer Plan
Zu großes Konsortium mit unklarem Mehrwert einzelner Partner

Wann sich ein Eurostars-Antrag lohnt

Bevor Sie in eine Eurostars-Antragsschrift investieren, sollten Sie drei Fragen ehrlich beantworten:

  • Ist Ihr Vorhaben marktnah? Eurostars finanziert keine Grundlagenforschung. Wenn Ihre Lösung noch deutlich unter TRL 6 liegt, ist Pillar II von Horizon Europe oder eine nationale Förderung der bessere Weg.
  • Brauchen Sie zwingend einen internationalen Partner? Wenn ein internationaler Partner technologisch, marktseitig oder regulatorisch nötig ist, spielt Eurostars seine Stärken aus. Wenn nicht, sind nationale Programme oft direkter.
  • Haben Sie die Bandbreite für ein zweistufiges Verfahren? Eurostars verlangt parallele Anträge bei EUREKA und bei jeder beteiligten Förderagentur. Ohne klare Verantwortung im Konsortium kommt das selten gut an.

Wer diese Punkte sauber beantwortet, hat in Eurostars realistische Chancen, auch ohne langjährige EU-Antragspraxis. Für Strukturierung, Konsortialarchitektur und nationale Antragslogik lohnt sich eine kurze Vorabklärung. Den Gesamtablauf vom Call bis zur Schlussabrechnung beschreibt unser Ratgeber EU-Förderung beantragen: Ablauf; eine Einordnung von Calls und Topics finden Sie unter Calls und Topics in EU-Programmen.

Sie planen ein internationales FuE-Projekt und überlegen, ob Eurostars der richtige Weg für Ihr KMU ist? INCOTEC Deutschland ordnet Ihr Vorhaben strukturiert ein, bevor Sie in die Antragsarbeit gehen.

Häufig gestellte Fragen zu Eurostars

Wer kann Eurostars-Förderung beantragen?

Antragsberechtigt sind Konsortien mit mindestens zwei Partnern aus zwei verschiedenen EUREKA-Mitgliedsländern. Konsortialführer muss ein innovatives KMU sein, der KMU-Anteil im Konsortium muss substanziell ausfallen. Großunternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen können als zusätzliche Partner teilnehmen, abhängig von der nationalen Förderlogik. Deutschland ist Vollmitglied von EUREKA, deutsche KMU sind also regulär antragsberechtigt.

Wie hoch ist die Förderung in Eurostars?

Eurostars ist dezentral co-finanziert: Jede beteiligte nationale Förderagentur entscheidet selbst über die Förderhöhe. Förderquoten variieren je Land und je Unternehmensgröße; KMU werden in der Regel höher gefördert als Großunternehmen. Eine pauschale Quote über alle Länder hinweg lässt sich nicht seriös nennen. Für deutsche Antragsteller ist die konkrete Quote im Einzelfall mit dem zuständigen Projektträger zu klären.

Wann sind die Eurostars-Cut-offs?

EUREKA veröffentlicht in der Regel zwei Cut-offs pro Jahr. Die aktuellen Termine finden Sie auf der EUREKA-Programmseite und im Funding & Tenders Portal der Europäischen Kommission. Wer eine belastbare Antragsschrift abgeben will, beginnt vier bis sechs Monate vor dem geplanten Cut-off mit Konsortialaufstellung und Konzeptpapier.

Wie unterscheidet sich Eurostars von Horizon Europe?

Horizon Europe ist umfassend, in mehrere Säulen gegliedert und deckt alles von Grundlagenforschung bis zu Marktreife ab. Eurostars läuft innerhalb von Horizon Europe als kofinanzierte öffentlich-öffentliche Partnerschaft und konzentriert sich auf eine sehr enge Zielgruppe: marktnahe FuE-Projekte innovativer KMU im internationalen Konsortium. Wenn Ihr Vorhaben weniger marktnah oder nicht KMU-getragen ist, sind andere Horizon-Calls passender.

Wie lange dauert ein Eurostars-Antrag von der Idee bis zum Projektstart?

Rechnen Sie mit acht bis zwölf Monaten: vier bis sechs Monate für Konsortialaufstellung und Konzept-Skizze, dann der Eurostars-Antrag bis zum Cut-off, danach drei bis vier Monate Bewertung sowie nationaler Antrag und Vertragsverhandlung. Die genaue Dauer hängt von der nationalen Förderagentur und der Konsortialgröße ab.

Quellen

  1. EUREKA-Netzwerk – Eurostars-Programm (Konsortialregeln, Cut-offs, Programmlogik): eurekanetwork.org/programmes/eurostars
  2. Europäische Kommission – Funding & Tenders Portal (Eurostars-Calls innerhalb Horizon Europe Pillar III): commission.europa.eu/funding-tenders